Irgendwann im März stellte Herr Vogel in unserer Klasse die Möglichkeiten von Erasmus+ vor. So ganz sicher war ich mir da nicht, ob das etwas für mich wäre. Ein paar Monate später bin ich in eine für mich neue Welt eingetaucht und rückblickend kann ich sagen, dass es eine der besten Entscheidungen war, diese Chance zu nutzen.
Aber erstmal von vorne: Schon in der Schule konnte ich mich besonders für Biologie begeistern, vor allem für die Meeresbiologie. Deshalb fiel meine Wahl schnell auf Norwegen. Neben meiner Faszination für Wale hat mich vor allem die einzigartige Natur des Landes angesprochen. Zudem gilt Norwegen als eines der sichersten Länder Europas, was mir besonders wichtig war, da ich einen Teil meiner Reise alleine verbringen würde.
Bevor mein Praktikum begann, verbrachte ich eine Woche allein in Tromsø. Diese Zeit war für mich eine wertvolle Erfahrung. Zum ersten Mal musste ich meine Reise komplett selbst organisieren, mich alleine orientieren und viele Situationen eigenständig meistern. Die Norweger sind dabei oft etwas zurückhaltender als wir Deutsche, weshalb man manchmal selbst die Initiative ergreifen muss. Genau dadurch habe ich gelernt, selbstständiger zu werden und mehr Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. In Tromsø konnte ich sowohl die Stadt mit ihrem Hafen als auch die beeindruckende Natur Nordnorwegens kennenlernen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Ausritt mit einer Einheimischen durch ein Naturreservat, bei dem ich Adler und Robben beobachten konnte. Schon auf dem Weg dorthin begegneten mir immer wieder Rentiere und Schafe, die frei in der Umgebung der Stadt leben. Solche Begegnungen zeigen, wie eng Natur und Alltag in Norwegen miteinander verbunden sind.
Nach dieser ersten Woche begann schließlich mein Praktikum bei Arctic Whale Tours in Stø. Dort arbeite ich auf einem Whale-Watching-Boot und habe die Möglichkeit, die faszinierende Welt der Wale aus nächster Nähe kennenzulernen. Jeder Tag auf dem Meer ist anders, denn man weiß nie, welche Tiere man sehen wird und welche Erlebnisse einen erwarten. Meine Hauptaufgabe besteht darin, die Crew bei allen anfallenden Arbeiten zu unterstützen. Dabei sind meine Tätigkeiten sehr abwechslungsreich. Mal helfe ich dem Kapitän beim Betanken des Bootes oder unterstütze bei kleineren Reparaturen an Bord, an anderen Tagen kümmere ich mich um die Verpflegung der Gäste. Vor jeder Tour erkläre ich den Besuchern den Ablauf der Fahrt und stehe während des gesamten Tages für Fragen zur Verfügung. Die Arbeitstage sind oft lang – meist starten wir bereits um 7 Uhr morgens und kehren erst etwa zehn Stunden später in den Hafen zurück. Trotzdem vergeht die Zeit auf dem Meer erstaunlich schnell, da jeder Tag neue Eindrücke mit sich bringt. Ein besonders spannender Teil meiner Arbeit ist das Fotografieren der Wale. Die Bilder werden von lokalen Forschern genutzt, um einzelne Tiere zu identifizieren. Dabei sind vor allem die Schwanzflossen von Bedeutung. Ähnlich wie ein Fingerabdruck beim Menschen besitzt jeder Wal eine einzigartige Zeichnung und Form an seiner Fluke. Mithilfe dieser Fotos können einzelne Tiere über Jahre hinweg wiedererkannt und ihre Wanderungen dokumentiert werden. Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass die eigenen Bilder einen kleinen Beitrag zur Forschung leisten. Während meines Praktikums konnte ich bereits zahlreiche Pottwale beobachten. Besonders beeindruckend ist der Moment, wenn ein mehrere Tonnen schwerer Wal direkt neben dem Boot auftaucht und kurz darauf wieder in den Tiefen des Ozeans verschwindet. Auch Grindwale habe ich bereits häufig gesehen. Sie gehören zu meinen persönlichen Favoriten, da sie oft neugierig sind und erstaunlich nah an das Boot herankommen. Sogar einen Orca konnte ich bereits in der Ferne entdecken. Eine weitere wertvolle Erfahrung ist die tägliche Kommunikation auf Englisch. Im Schulunterricht lernt man viele Grundlagen, doch im Alltag begegnet man ständig neuen Begriffen und Situationen. Besonders im Bereich der Meeresbiologie, des Tourismus und der Tierbeobachtung habe ich viele neue Wörter gelernt, die ich vorher nie gebraucht hätte. Durch die tägliche Anwendung ist mein Englisch deutlich sicherer geworden, und Gespräche fallen mir inzwischen viel leichter.
Mein Erasmus-Aufenthalt hat mir gezeigt, wie viel man lernen kann, wenn man sich auf neue Herausforderungen einlässt. Ich durfte einzigartige Landschaften entdecken, faszinierende Tiere beobachten, neue Menschen kennenlernen und wichtige Erfahrungen für meine persönliche Entwicklung sammeln. Besonders die Arbeit mit den Walen und die Zeit auf dem Meer werden für mich unvergesslich bleiben. Deshalb kann ich jedem empfehlen, die Chancen von Erasmus zu nutzen und den Schritt ins Ausland zu wagen.
Eva Maisterl, SF13b












